Archive for April 26th, 2012

Exkursion nach Costa Rica

Von 25.3. bis 22.4. waren Julia und Magdi von unserem Salamanderteam auf Costa Rica Exkursion mit der Uni Wien. Nach einer Woche Urlaub, den wir in Cahuita an der Karibikseite Costa Ricas verbrachten, begann die Exkursion mit der Gruppe der Uni Wien unter der Leitung von Dr. Werner Huber. Aber auch in Cahuita konnten wir unserem Biologendasein schon fröhnen, denn wir quartierten uns in einem wunderschönen Lodge nahe des Nationalparks ein und waren somit mitten im Regenwald. Früh morgens um 5 Uhr weckten uns tagtäglich die Brüllaffen, die auf den Baumkronen über unserem Lodge hin und her zogen. Unter unserem Lodge waren Strandkrabben zuhause und ein Gecko hat sich ebenfalls bei uns einquartiert. Letzteres ist ja ganz praktisch weil Geckos die lästigen Moskitos fressen. Im Nationalpark konnten wir Kapuzineraffen, die gelbe Palmviper, einen Basilisk, Leguane, Faultiere und 2 Arten von Pfeilgiftfröschen beobachten.

Gelbe Palmviper (Bothriechis schlegelii), Green and black poison arrow frog (Dendrobates auratus) und Basiliskus basiliskus

Mit der Gruppe der Uni Wien ging die Exkursion zuerst zum Cerro de la Muerte auf ca. 3400 m Höhe, wo wir uns ein Moor und die Vegetation genauer anschauten. Außerdem wanderten wir durch einen wahrhaft verwunschen wirkenden Eichenwald. Nach Übernachtung im 8°C kalten Quartier (selbst in Costa Rica kann es so kalt sein!), gings weiter in den Süden an den Golfo Dulce in die Tropenstation La Gamba in der Nähe von Golfito im “Regenwald der Österreicher”. In dieser Forschungsstation mitten im Regenwald waren wir nun für 10 Tage untergebracht, um uns verschiedenen Forschungsbereichen im Regenwald zu widmen. Wir beschäftigten uns mit der Dynamik des Regenwaldes, d.h. wie alt tropische Bäume werden können, welche Faktoren das beeinflussen und wie schnell sich ein kompletter Wald wieder erneuern kann. Dazu nahmen wir 3 verschiedene Waldstücke genauer unter die Lupe: Hangwald (Sekundärwald), Schluchtwald (Primärwald) und Kammwald (Primärwald). Wir bestimmten die Arten in diesen Waldstücken, maßen den Stammdurchmesser DBH (diameter breast height) >10 cm jedes Individuums und schätzten die Höhe der Bäume ab. Dafür verbrachten wir jeden Tag ca. 5-6 Stunden im Wald und waren natürlich unermesslichen Gefahren durch herabfallende Früchte oder Äste, beißwütige Ameisen, giftige Spinnen oder Schlangen ausgesetzt. Aber nach dem Motto “no risk, no fun”, bewegten wir uns von Tag zu Tag sicherer durch die dichte Vegetation des Regenwaldes. Bei unserer Arbeit kamen uns zahlreiche Tiere unter: wandernde Kapuzineraffen, der wunderschöne blaue Morphofalter, viiieeele Ameisen, bird-eating snakes, Tukane, zahlreiche andere Vögel, Stülpnasenotter und Palmviper.

Am Cerro de la Muerte und beim Arbeiten im Regenwald.


Roter Ara (Ara macao) und Chunk-headed snake (Imantodes cenchoa)


Blue crowned motmot (Momotus momota) und Swainson toucan (Ramphastos swainsonii)

Die Ergebnisse der Arbeit waren auch sehr interessant: die untersuchten Waldstücke haben eine Umbruchrate (turnover-rate) von ca. 40-50 Jahren, das heißt innerhalb dieser Zeit erneuert sich der Wald komplett. Unterschiede in der Artenzusammensetzung und der Biodiversität gab es natürlich zwischen Primär- und Sekundärwald, da ja der Sekundärwald anthropogen (in diesem Fall durch eine Kakaoplantage) beeinflusst ist und sich daher erst in Sukzession hin zu einem Primärwald befindet. Für uns Mitteleuropäer war es sehr beeindruckend zu sehen, dass Bäume, die gerade mal 40 Jahre alt werden, schon einen Stammumfang von teilweise über 2 m haben und über 20 m hoch sind. Unser Wald wächst bei weitem nicht so schnell, wird aber viel älter, sofern man ihn lässt. Im tropischen Regenwald sind nur die obersten 10 cm des Bodens nährstoff- und wurzelreich, auch ein Grund für diese schnelle Dynamik. Wenn ein solcher Baumriese umfällt und ein “gap” in den Wald reißt, können lichtliebende Pionierpflanzen schnell wachsen. Somit spielen gaps eine große Rolle in der Dynamik des tropischen Regenwaldes.

Baumriese und eine Landschaft des sogenannten “Maibaumes”, Vochysia sp. – ein Störungszeiger

Die wohl spannendste Beobachtung für uns im Regenwald war ein Salamander, der sich mitten am Tag eingerollt auf einem Blatt gesonnt hat. Dieser bark-colored salamander (Bolitoglossa lignicolor) ist selten und normalerweise in Höhlen versteckt, daher war es wirklich ein Wunder, dass wir ihn gesehen haben! :-) Anscheinend ziehen wir Salamander schon an!

Bark-colored salamander: ein- und ausgerollt!

Bei unseren Nachtexkursionen konnten wir noch zahlreiche andere Tiere, vor allem Frösche, beobachten: Katzenaugennatter, Lanzenotter, Vogelspinne, Tarantel, Riesenheuschrecke, Rotaugenfrosch, Regenfrosch, Tungara-Frosch, Glasfrosch, brilliant forest frog, hourglass tree frog, masked tree frog, Ochsenfrosch und Ochsenkröte, Bufo coniferus und viele, viele mehr. Ein Paradies für Herpetologen und Biologen im Allgemeinen. Tagsüber konnten wir unzählige Vogelarten sehen, 3 verschiedene Papageienarten (einer davon der seltene rote Ara) und 2 verschiedene Tukane sind nur Beispiele davon.

Bufo coniferus und unser favorite: der Rotaugenfrosch

Glass frog und olive tree frog in der Dusche

Hour glass frog und Fer-de-lance (Lanzenotter)

Tungara-Frösche und der Eulenfalter

Am letzten Tag in der Tropenstation machten wir eine Bootsfahrt durch die Mangroven, bei der wir Mangrovenbäume bewundern konnten. Das sind verholzende Salzpflanzen (Familie Rhizophoraceae), die die Fähigkeit zum Wurzeln in sauerstoffarmem und häufig instabilem Sediment besitzen. Viele Mangrovenarten besitzen Luftgewebe an den ins Wasser getauchten Wurzeln und Stängeln. Einige Arten haben Blätter mit Salzdrüsen. Bei dieser Tour haben wir auch eine Zeit lang Delphine ganz nahe beobachten können.

Die letzten Tage führten uns an den kilometerlangen, unberührten Strand von Baru und einen neu gegründeten Nationalpark. Dort konnten wir Kapuzineraffen und sich bewegende! Faultiere hautnah beobachten. Der letzte Trip ging ins Gebiet des Vulkans Rincon de la Vieja im Norden Costa Ricas. Wir konnten leider den Vulkan nicht besteigen, weil er eine Woche zuvor aktiv geworden war. Wir wanderten am Fuße des Vulkans durch einen Wald, der sich plötzlich in eine totale Savannenlandschaft verwandelte. Der lang ersehnte Nasenbär spazierte vor unseren Augen vom Baum herunter auf den Boden. Brodelnde Geysire und spuckende kleine Vulkane am Boden machten die Exkursion spannend. Zum Abschluss badeten wir in den “Hot Ponds”, heißen Quellen des Vulkans mit ca. 35-42°C und gönnten uns ein Schlammpeeling. :-)

Während der langen Busfahrten konnten wir unzählige Früchte Costa Ricas kennen lernen, die alle total gut schmecken und bei uns leider nie zu kaufen sein werden. Wir tranken Kokosmilch aus gerade frisch geöffneten Kokosnüssen oder Pipas. Die Cocktails und Fruchtsäfte sind in Costa Rica so gut wie nirgendwo sonst auf der Welt. Mindestens 5 verschiedene, total leckere Bananenarten durften wir kosten und deswegen werden wir wahrscheinlich nie wieder unsere “heimischen” Bananen essen wollen, weil die einfach nach gar nichts schmecken. Bananen gab es sowieso in verschiedenster Form: sauer, gebraten, als Chips, Cracker, Platano marduro, Bananenkuchen, oder im Ostergericht Tamal verpackt, das wir am Ostersonntag genießen durften. Wir wurden in der Tropenstation dreimal am Tag mit costaricanischen Spezialitäten verwöhnt: da gab es Guacamole, Bohnenpüree, einheimischen Fisch, Tortillas und vieles mehr.

Es war eine unglaubliche Zeit, bei der wir unheimlich viel lernen konnten und gleichzeitig die Kultur und die Menschen Costa Ricas kennen und schätzen lernten! Die Artenvielfalt dieses Landes ist unbeschreiblich und für einen Europäer ein Erlebnis sondergleichen. Wir können uns von diesem Land und den Menschen, deren Umgang mit den Tieren und der sie umgebenden Natur viel abschauen. Denn erst wenn man vom tiefen Regenwald wieder nach Europa kommt, wird einem bewusst, wie stark beeinflusst unsere “Natur” vom Menschen ist. Wir bestimmen, wo Bäume stehen dürfen und wo nicht, denn unsere Naturlandschaft ist eigentlich eine Kulturlandschaft, die ohne unseren Einfluss völlig anders aussehen würde.
In diesem Sinne: Reist nach Costa Rica und genießt “Natur pur” oder wie die Costa Ricaner (Ticos) immer sagen: PURA VIDA! :-D