Archive for June, 2012

Salamander im Lungau

Vom 25.-26.6. machten wir (Ana, Julia & Magdi) uns auf den Weg über den Tauern in den Lungau zu unseren letzten Salamanderexkursionen mit der VS Göriach und der VS Zederhaus.
Am Montag starteten wir um 8:30 in der Früh (man bedenke die Anreisezeit von Salzburg!) mit der gesamten VS Göriach (23 Kinder) in Richtung Hintergöriach/Hüttendorf. Dort wurden von den Kindern schon oft Alpen- und Feuersalamander gesichtet und auch auf unserer Website eingetragen. Das Wetter war perfektes Salamanderwetter, grau und leichter Nieselregen. Die größeren Kinder waren schon losmarschiert und brave Eltern und eine Lehrerin fuhren mit uns und den kleineren Kindern mit dem Auto bis nach Hintergöriach. Dort trafen wir die anderen und gingen gemeinsam weiter in Richtung Hüttendorf. Nach ca. 45 Minuten hatte der Wettergott leider kein Erbarmen mehr mit uns. Der leichte Nieselregen wandelte sich in schiefen Starkregen und wir flüchteten alle in den etwas trockeneren Wald.

Wir durchsuchten mit den Kindern das gesamte Waldstück, leider fanden wir keinen einzigen Salamander und wurden nur noch nasser. Da nicht alle Kids so regenfest ausgerüstet waren wie unser Salamanderteam, mussten wir die Exkursion leider abbrechen und die Elterntaxis wurden gerufen, um die nassen Kinder zur Schule zurückzubringen. Unser wetterfestes Salamanderteam machte sich trotzdem noch auf den Weg bis ganz nach hinten zum wunderschönen Hüttendorf, wo lauter kleine Holzhütten stehen, die man als natursuchender Gast mieten kann. In einem kleinen Waldstück hinter den Hütten fanden wir das perfekte Salamanderhabitat mit vielen Steinen und Löchern.


Nach ca. 2 Minuten im Wald fanden wir schon die ersten 2 Alpensalamander. Insgesamt fanden wir innerhalb kürzester Zeit 7 Stück und außerdem ein kleines Alpensalamanderbaby, das kaum größer als eine 1€-Münze war. Wir waren begeistert!

3 Alpensalamander wurden in einem artgerechten Plastikgefäß mitsamt Waldboden und Blättern mitgenommen und zur ca. 10 Minuten entfernten Volksschule transportiert. Dort zeigten wir den begeisterten Kindern, was wir normalerweise mit den Tieren im Freiland machen: wir wogen sie ab und stellten die Größe und das Geschlecht fest.


Die Kinder waren glücklich, das sie auf diesem Weg doch noch “richtige” Salamander sehen konnten. Aber einige hatten genau dort sowieso schon oft Alpensalamander und auch Feuersalamander gesehen. Ein wahrer Salamander-Hotspot also. Nach diesem doch noch sehr erfolgreichen Vormittag brachten wir die Salamander wieder genau an den Ort zurück, wo wir sie gefunden hatten. Sie verkrochen sich wieder in ihren Löchern. Bei der Hansalhütte tranken wir Kaffee und fragten die Wirtin nach den Salamandern aus. Anscheinend krabbeln ihr öfters Feuersalamander vom naheliegenden Graben in die Hütte. Wir kontrollierten diesen kleinen Bach, konnten aber keine Larven entdecken. Der Nachweis der dort anscheinend wirklich existierenden Feuersalamander wird die Aufgabe der VS Göriach in der kommenden Salamandersaison werden. Denn solch ein Ort, wo Alpen- und Feuersalamander gemeinsam vorkommen, ist wirklich etwas ganz besonderes.
Danke an VD Karin Braunsteiner, die gesamte VS Göriach und die “Elterntaxis” für diesen wunderschönen Tag im Göriachtal! Wir freuen uns schon auf das nächste Mal! :-)

Am Nachmittag bezogen wir unser Übernachtungsquartier im nicht weit entfernten Zederhaus. Das Arbeiten am Laptop war etwas schwierig, da der WLAN-Empfang in Zederhaus nicht der beste war ;-) Nach einem deftigen Abendessen begutachteten wir noch die beeindruckenden Prangstangen in der Zederhauser Kirche, die aus Tausenden von Margeriten und Enzianblüten hergestellt werden. Diesen Brauch gibt es nur in Zederhaus und Muhr, sonst nirgends auf der ganzen Welt. Da haben wir wieder was gelernt…
Am nächsten Morgen starteten wir um 8:00 mit der 2. Klasse der VS Zederhaus (13 Kinder) in Richtung Riedingtal, wo Alpensalamander und eventuell auch Feuersalamander vorkommen. Dort waren letzten Sommer auch unsere Riesensalamander mit der kleinen Ausstellung zu Gast, denn Zederhaus ist mit dem Riedingtal eine Naturparkgemeinde.

Das Wetter war wieder schön, die Sonne schien, diesmal meinte es der Wettergott zu gut mit uns. Wir wanderten entlang eines Baches, konnten allerdings keine Salamander und auch keine Larven entdecken. So fischten wir mit den Kids mal wieder das Salamanderlarvenfutter aus dem Bach heraus: Eintagsfliegen-, Steinfliegen- und Libellenlarven.

In einem kleineren See entdeckten wir Grasfrosch- und Erdkrötenkaulquappen. Nach der Jausenpause wanderten wir zurück zum Naturparkhaus. Dort fanden wir im kleinen Teich ein Molchweibchen. Wahrscheinlich war es ein Bergmolch, allerdings erwischten wir das kleine Kerlchen nicht. Trotz Salamandermangel hatten wir also doch noch einiges an Amphibien und weit entfernter Salamanderverwandtschaft gesehen. Die Natur im Riedingtal ist ohnehin ein Erlebnis, ob es nun die vielen Ameisenhaufen oder die vielen verschiedenen Pflanzen und Tiere sind. Um 11:00 wurden wir wieder abgeholt und nach diesem schönen Vormittag ging es wieder zurück über den Tauern in Richtung Salzburg.

Vielen Dank an die 2. Klasse der VS Zederhaus und ihre Lehrerin für die schöne gemeinsame Exkursion ins Riedingtal. Bei Schlechtwetter findet man dort sicher einige Alpensalamander (und vielleicht auch Feuersalamander), denn der Lebensraum passt perfekt! :-)

Exkursion zum Tappenkarsee mit der VS Kleinarl

Gestern trafen wir uns um 8:00 mit der VS Kleinarl am Jägersee in Kleinarl. Das Wetter war perfekt für Alpensalamander, da es am Vorabend Gewitter und Regenfälle gegeben hatte und alles noch sehr feucht war. So marschierten wir also los in Richtung Schwabalm. Vom dortigen Parkplatz ging es dann bergauf durch eine wunderschöne Berglandschaft in Richtung Tappenkarsee. Auf diesem Weg wurden bei Regen schon öfters 150-200 Alpensalamander auf einmal gesehen. Ein wahres Alpensalamanderparadies also… Schon nach den ersten paar Kurven entdeckten wir die ersten drei Alpensalamander, noch recht junge Tiere, 2 Männchen und 1 Weibchen. Nach einer kurzen Jausenpause (immerhin waren wir schon mehr als 1 Stunde unterwegs) erklärten wir den Kindern die Besonderheiten der Salamander, wie man Männchen und Weibchen unterscheidet und einiges zum Lebensraum der Tiere. Gleichzeitig fragten wir das noch vorhandene Wissen der Kids von unserem Salamanderworkshop ab.

Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten sprudelte das “Salamanderwissen” dann doch aus den Kindern hervor, viele von ihnen haben sowohl Feuer- als auch Alpensalamander schon gesehen. Kein Wunder bei dem Paradies, das die Kinder dort praktisch vor der Haustüre haben. Danach wanderten wir noch ein Stück weiter bis zum 2. großen Wasserfall und die Kinder fanden noch weiter 5 Alpensalamander auf und neben dem Weg. Ganz Salamanderexperten bestimmten sie gleich Alter und Geschlecht der Tiere. Auch die ganz kleinen Erstklässler waren bei dieser doch sehr anstrengenden Wanderung flott unterwegs und kein einziges Kind hat sich beschwert. Da merkt man halt doch, dass man mit Gebirgskindern unterwegs ist… ;-) Zum Schluss hielten wir die Begeisterung der Kinder, LehrerInnen und Mütter für die Salamander und die Natur noch auf Video fest. Das Ergebnis wird wahrscheinlich einige Lachkrämpfe verursachen, aber die Natürlichkeit der Kinder ist trotzdem einfach nur eine Freude anzusehen!
Nach etwa 3 Stunden trennten sich unsere Wege, die Kinder und ihre Begleiterinnen traten den Rückweg an, da der Weg bis ganz nach oben zum See für die Kleinsten doch zu viel gewesen wäre. Die Kids wurden am Schwabalm-Parkplatz von vielen braven Mamas und Papas abgeholt, sodass sie nicht mehr bis ganz zum Jägersee hinaus gehen mussten.
Unser Team ließ sich den Aufstieg bis zur Tappenkarseehütte und zum wunderschönen See natürlich nicht nehmen und traf noch auf so einige Alpensalamander, ein Pärchen war sogar im “Paarungsmodus” mitten auf dem Weg unterwegs… :-)


Rund um den See ist ein wahres Blumenparadies, Enzian, Sumpfdotterblume, Schusternagerl, Almrausch und vieles mehr lässt sich dort finden. Wir sahen außerdem noch 2 Bergeidechsen, viele Schmetterlinge und Frösche im Sumpfgebiet rund um den See. Oben auf der Hütte wurden wir von Hüttenwirt Onkel Hannes und Magdalena´s Oma Cilli mit Schwarzbeer-Preiselbeer-Apfelmusschmarren verwöhnt und dieser gelungene Tag fand einen wunderschönen Ausklang.
Der Tappenkarsee ist ein wahres Naturparadies und für Alpensalamander das, was für Feuersalamander der Naturpark Aigen ist.


Vielen Dank an die gesamte VS Kleinarl, VD Sylvia Sekyra, die Lehrerinnen und die begleitenden Müttern für diesen wunderschönen, lustigen und salamanderreichen Tag! :-)

Salamandertrip nach Asiago/Italien

Von 6.-8. Juni besuchten wir unseren Kollegen Enrico in Asiago, um die Gegend und vor allem die Salamander dort zu erkunden. Nach einer langen Anreise über viele, viele Kurven einer engen Gebirgsstraße kamen wir am Mittwoch Abend in Asiago an. Asiago liegt in der Hochebene von Vicenza auf etwa 1000 m über dem Meer und ist von bis zu 2.336 m hohen Bergen umgeben. So richtiges “Italien-Flair” stellte sich deswegen bei uns nicht ein, denn die Hinfahrt glich eher einer Rundreise durch österreichische Almregionen. Aber die italienische Sprache und die super leckere Pizza am ersten Abend überzeugten uns dann doch davon, dass wir in Italien und nicht in einem österreichischen Bergdorf gelandet waren. :-)

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur “Terra typica” von Salamandra atra aurorae, dem Bosco del Dosso, wo diese Unterart 1982 von Trevisan entdeckt und nach seiner Frau Aurora benannt wurde. Passenderweise bedeutet “Aurora” auch Sonnenaufgang, wo ja Salamander bekannterweise besonders aktiv sind, und außerdem auch “golden”, was unglaublich gut zur Färbung dieser besonderen Salamander passt.
Das Habitat der Salamander dort ist gekennzeichnet durch Abies alba, der Weißtanne, mit einigen Laubbäumen durchsetzt, außerdem vielen Steinen und Höhlen. Diese vielen Steine umzudrehen war dann unsere Aufgabe, denn die Salamander sitzen, wenn es nicht regnet und man ganz viel Glück hat, unter ihnen. 6 Personen drehten also einen Stein nach dem anderen um, was eine ganz schön ermüdende Aufgabe sein kann. Enrico ist da wirklich zu bewundern, denn er macht das ständig. Wir kamen schon nach kurzer Zeit zu dem Schluss, dass uns da unsere Feuersalamander bedeutend lieber sind, denn um diese zu finden, muss man nur warten, bis es regnet und nicht Hunderte von Steinen umdrehen. Aber dann, nach einiger Zeit mühevoller Suche schallte ein Freudenschrei durch den Bosco del Dosso: Magdi hatte tatsächlich einen juvenilen Salamandra atra aurorae unter einem Stein zusammengerollt gefunden. Riesige Freude bei allen Beteiligten, besonders natürlich bei den Aurora-Erstbetrachtern! Kameras und weiteres Equipment wurden herbeigeschafft und der wunderschöne, zarte, kleine Salamander wurde von Groß und Klein ausgiebig begutachtet und von Enrico in seine Datenbank aufgenommen.


Nur kurze Zeit später fand Klaus ca. 2 m neben dem ersten Fundort einen weiteren, noch kleineren Salamander. Unsere Begeisterung war nicht mehr zu übertreffen. Bei längerem Hinsehen erscheint das Gelb dieser Salamander wirklich nicht mehr gelb, sondern es bekommt einen wunderschönen, goldenen Schimmer!



Leider ist das Habitat der Aurora-Salamander stark gefährdet, weil viele der großen, alten Weißtannen bereits zum Abholzen markiert sind. Und wenn wirklich alle markierten Bäume abgeholzt werden, dann bleibt vom Habitat nicht mehr viel übrig, wie wir mit Entsetzen feststellen mussten. Bagger und Abholzfahrzeug standen leider auch schon bereit. Enrico wird mit den dortigen Verantwortlichen und den Medien sprechen, um diese wieder einmal unnötige Zerstörung eines Lebensraumes, der eigentlich geschützt sein sollte, zu verhindern! Für die Aurora-Salamander hätte die Zerstörung dieses Habitats verheerende Auswirkungen, denn diese Unterart kommt endemisch in dem Gebiet um Asiago vor.


Nach diesem sehr erfolgreichen Tag gönnten wir uns ein deftiges Mittagessen in der naheliegenden Mautstation, welche angeblich ein beliebter Treffpunkt aller Aurora-Besucher ist.
Am späten Nachmittag trafen wir noch ein paar Freunde von Enrico, die alle eine sehr besondere Sprache, Zimbrisch, sprechen. Zimbrisch ist die traditionelle oberdeutsche Sprache der Zimbern in Oberitalien, die in drei Sprachinseln gesprochen wurde und bis Ende des 18. Jahrhunderts Kirchen- und Amtssprache in der ehemaligen Republik der Sieben Gemeinden rund um Asiago war. Sie ist eine Sondervariante des Bayrischen und gehört zu den deutschen Mundarten. Heute ist sie nur noch im Dorf Lusern im Trentino Alltagssprache und hat nicht mehr als 1000 Sprecher. Diese Sprache klingt teilweise sehr ähnlich dem Althochdeutschen und unserer Salzburger Mundart, deswegen konnten wir uns auch (mehr oder weniger) gut mit den “Zimbern” verständigen. Eine weitere Besonderheit also, die nur in Asiago zu finden ist. Wahrscheinlich verstehen die Salamander dort auch nur zimbrisch…


Nach einem Abendessen bei guter Pizza und einem typisch italienischen Aperol-Spritz machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu einem weiteren Habitat von Salamandra atra aurorae. Leider waren wir diesmal nicht so erfolgreich wie am 1. Tag, es war zu trocken und auch nach vielen, vielen umgedrehten Steinen hatten wir noch keinen Salamander gefunden. So beschlossen wir, die Suche aufzugeben und dafür im Sommer noch einmal wiederzukommen, um noch eine weitere sehr seltene Unterart des Alpensalamanders, Salamandra atra pasubiensis, am Monte Pasubio zu besuchen.

Auf der Heimfahrt machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Monte Grappa, auf dem es ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Italiener, Österreicher und Ungaren gibt. Bei sehr kühlen Temperaturen und schiefen Regenfällen, bei denen einem ein Schirm überhaupt nichts bringt, besichtigten wir diese eindrucksvolle Grabstätte. Auf dem Monte Grappa ruhen 12.615 italienische und 10.295 österreichisch/ungarische Soldaten. Nach diesem Einblick in die düstere Seite der österreichisch/italienischen Geschichte fuhren wir nach Hause ins ebenso kühle und regnerische Österreich.

Es war ein sehr spannender, informativer und wunderschöner Ausflug ins italienische Hochgebirge für uns alle. Vielen Dank an Enrico, dass er uns diese seltene Salamanderart näher gebracht hat, und für die lustige, wenn auch kurze Zeit in Asiago. Es hat uns großen Spaß gemacht und wir kommen bestimmt bald wieder vorbei! :-) Immerhin gehören wir nun zu den wenigen Auserwählten, die den Aurora-Salamander schon mal live und in Farbe gesehen haben! :-)