Aurora Salamander

Neuigkeiten über den Aurora Salamander in Zimbrisch! Viel Spaß beim Lesen! 😉

Neuigkeiten über den Aurora Salamander: 2014 wurde ein Übereinkommen zwischen der Region Veneto und der Universität Padua (Department of Biology and Department of Territory and Agro-Forestry Systems) unterzeichnet.  Diese Kooperation will alternative Methoden zur Waldbewirtschaftung testen, welche sehr viel respektvoller gegenüber den kleinen schwarz-goldenen Waldbewohnern und ihrem Habitat wären als die bis jetzt üblichen. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung für den Aurora Salamander, das Wahrzeichen der Wälder der Sette Communi! 🙂

Der Aurora Salamander oder goldener Alpensalamander, eine goldgelb gefärbte Unterart des Alpensalamanders, kommt nur am Asiago-Plateau (Comune di Asiago) in Italien vor. Er ist global als “critically endangered” gelistet und gilt in der Flora-Fauna-Habitat Richtline der Europäischen Union als “high priority species”. Eine Ausstellung über den faszinierenden goldenen Alpensalamander gibt es im Museum in Asiago. HIER geht´s zu den Tafeln! Ein paar Eindrücke des Aurora-Salamanders könnt ihr euch auf diesem Video ansehen! Umso unglaublicher ist es, dass die Gemeinde von Asiago den Wald im typischen Habitat des Aurora Salamanders, dem Bosco del Dosso, abholzen und für wirtschaftliche Zwecke nutzen will! Enrico Romanazzi, ein einheimischer Herpetologe und unser Kooperationspartner, hat gemeinsam mit engagierten Salamanderforschern eine Petition gestartet, um den goldenen Alpensalamander zu retten: unterschreibt unbedingt HIER!

Hier die Geschichte dieses ganz besonderen Salamanders, die uns sehr viel über seine Geschichte, sein Leben und die Gefahren, denen er ausgesetzt ist, erzählt! Aber lest selbst…

Prèchtet dar Güllane Ekkelsturtzo:

Liibate laüte, khennat-ar-mich?Ich pin dar Güllane Ekkelsturtzo und ich hèrbighe in Komàun von Sleeghe. Gadénkhet bool: in Komàun von Sleeghe anlòan, und in khòaz andarz tòal dar bèlte! Hia leeb-ich in alle de bèllar un taaldar afan nòrt un zommòrgande vomm Èssen-Taale: Sperbar-Taal, Biisen-Taal, Rèmaloch-Taal, Ekken-Balt, Tòoten-Eben-Taal, Raut-Taal, Lèrche-Laita, Rèndola-Taal, Köbele-Balt, Kheesara Meàtta, Ghèlmar-Taal, Zebio, Nos-Taal. Hèmmest saint-sa schöön mèeror dan an miliuun jaar, sodar benne ich han nemmèar gasécht in main vraünt, in Sbartzen Ekkelsturtzen.  Diisar hat vorlóart d ünzarn schöön güllan plètzen fan rukken, und hèmmest iss-ar gavèrbet allar sbartz. Ar leebet schiar vorambràll in d Alpen, badar nèt hia kan üzàndarn in de Hòoghe Ebane dar Siban Komàüne. Dorveelt-ach nèt: Ich pin nèt dar Bindate Ekkelsturtzo, an abetz-mann ambràlle, ma hèrbighet èar òch aufar hia in de Siban Pèrghe. Diisar is nèt dar main neganorste vraünt. Ar ist-mar viil vrömador dan dar Sbartze Ekkelsturtzo, an baarar pèrgar sobìa ich òch. Ja, z ist an kaif langa zait, az-ich leebe aufar hia, z leste gavéntzarach vomm alten stamme; èzzanten khèvare, börme, spinnare, korgnööle. Benne riivet dar hèrbest-maanont, ich vorpòrghe mich und stea logaart vor allen in bintar, slaafanten fintz höövet aan dar mòajo. Òona bòtta anlòan indarzàlt von zbòa òdar drai jaarn, d ünzarn baibar leghent at-tar bèlte an khint. In daü langa zait, ba ich leebe aufar hia,

is-ta gabeest hòrtan allez galàich in alle de jaar. Badar denne, schiar zbòa tausinkh jaar èersinkh, is khènt aufar hia in d ünzarn pèrghe an sèltzana laüte, viil khriigare von Longobàrden, ba habent gahàkhet abar an tòal von ünzarn bèllarn, machanten kampìgol un pèskoldar und aisen und èkhare und haüsar un beeghe òch. Z iar gaprècht is ganaamet “zimbrisch”, z eltorste und höögorste von allen taützen gaprèchtarn, und se habent-z ganützet un gahüütet vor mèeror dan tausinkh jaar. Badar denne, darnaach me gròozen und urran khriighe von 1915-18, dornìchtet schiar alla de Hòoghe Ebane, habant-sa laise laise galàzzet zo nützan-z, und umme-naach me jaare 2000 saint-ta nòch gabeest mintzikh laüte anlòan, ba habent gamöcht prèchtan daü schööne und edalne zunga; z leste gavéntzarach vomm alten stamme – bittana schante ! Badar nòch andare dinkh òch saint-ta gaschéghet i daü zait: Im-me jaare 1978, dar Hèere Prof. Trevisàn von dar Hòoghen Schuule ka Mòdena met-tar sain fameejen und met-ten sain khsellen hat-mich gadékhet abe im-me Tòoten-Eben-Taale. Saü habent gatöötet zbölve von ünzarn khsellen, und òan von üzàndarn, an gròozen und stèrchen mann, habant-sa gajùkhet inn in an bòtza prampen, und sain laichez im-me prampen habant-sa galét inn in musèen von Firènze, vor “holotypus” met-teme nümmarn 13456. Un denne dar Hèere Prof. Trevisàn hat-üz ghèt an naamen in latàin:

Salamandra atra aurorae.

(In daü zait, dar Sbartze Ekkelsturtzo ist scha gabeest ganaamet Salamandra atra atra, un dar Bindate Ekkelsturtzo Salamandra salamandra.) Oh maine liibaten laüte, ar möghet nèt klooban, baz is-ta gaschéghet, benne dar Hèere Prof. Trevisàn hat gamàchet drukhan und hat gapàndart de sain abedékhinghe: Von ambràll in de bèlt de laüte saint khènt aufar in Komàun von Sleeghe zoa-zo snappan d ünzarn khselle un töötan-se abe òdar spèrran-se inn in an khlòaz gahèltle, fintz-az-se sterban laise in de haüsar dar laüte ! Und von hòoghen schuuln is-ta khènt antì-an mann vom-me viigar-gabìzzeche und hat gahàkhet abar an zaicha von vüüzen dar ünzarn khselle, zoa-zo süüchan auz ünzar gaplüüt, un zo segan, beele sainan d ünzarn neganorsten vraünte. Denne, fan takh 11 vom-me mòajen im-me jaare 2007, an khsell von maindarn vom-me Sperbar-Taale hat gamàchet an sbèmpalle auz von hòome, übar de zaüne vomm alten Austriche orch in d Hòoghe Ebane me Bisalen, fintz in-z Postle-Taal. Denórch habant-en gasécht zbeen viigar-bizzare von Niidarn Lèntarn, un denne habant-sa gamàchet drukhan de naüjekhot, az bandare leeban auzonthiin vom-me Komàune von Sleeghe òch. Un nòch eppasen andarast is gaschéghet in daü zait: Viil-dar bèllar, ba ich hèrbighe, saint khènt gahàkhet abar, und asò d èerda is dordèrret au von dar trükhane; bar haban nemmèar gamöcht leeban in dii saiten, und von dèmme òch saint-ta bolàibet khauma mintzikh dar ünzarn. Ja, z is gabeest an kaif pöösa bèlt, und ich pin allar gafròant, az hèmmest is gapézzart: Hèmmest, im-me jaare 2500, khèmma-bar nimmarmèar gasnàppet von laüten, ambrùmme se saint gant sinnat, un gavàllant-en ambìdar de alten bèllar met puuchen, tannen und vaüchten, und met-ten Güllan Ekkelsturtzen. Und hèmmest von naüjame prèchtant-sa z alte zimbar-gaprècht, ambìa se saint baare und edalne zimbarn, z leste gavéntzarach vomm alten stamme. Un biar sainan baare und edalne Güllane Ekkelsturtzen, z leste gavéntzarach vomm alten stamme bandare òch 🙂

Und, habt ihr auch alles verstanden??!! 😉 Diese Sprache nennt sich “zimbrisch” und ist ein Dialekt, der aus dem althochdeutschen abstammt und heute nur noch in der Region um Asiago gesprochen wird. Dort allerdings auch nur mehr sehr selten. Das Zimbrische und Südbayrische (=vorwiegend Tirolerisch) hat sich gemeinsam entwickelt und gegenseitig beeinflusst. Zimbrisch ist mit Sicherheit der älteste (noch lebende) deutsche Dialekt. Alle Aurora-Salamander sprechen auch nur diese Sprache. Hier nun aber die deutsche Übersetzung:

Der Aurora-Salamander spricht:
Liebe Leute, kennt ihr mich?
Ich bin der Aurora-Salamander und wohne in der „Kommune von Asiago“ (Comune di Asiago).
Denkt daran: ausschließlich in der Kommune von Asiago und in keinem anderem Ort auf der Welt!

Hier lebe ich in allen Wäldern und Tälern im Norden und im Osten das Assa-Tales: In den Tälern Valle Sparvieri, Val d´Anime, Val Rémaloch, Bosco del Dosso, Vaio del Pian del Morto, Val rotta, Costa Larici, Val Renzola, Bosco del Köbele, Casara Meàtta, Val Galmarara, Zebio, Val di Nos.

Jetzt sind es schon mehr als 1 Million Jahre, dass ich meinen Verwandten, den Alpensalamander, nicht mehr gesehen habe.
Dieser hat unsere schönen goldenen Flecken auf dem Rücken verloren und jetzt ist er ganz schwarz. Er lebt fast im gesamten Alpenraum, aber nicht hier bei uns auf der Hochebene der „Sieben Kommunen“ (Sette Comuni).

Passt auf: Ich bin nicht der Feuersalamander, der in der Ebene lebt, er lebt aber auch hier in den Sieben Kommunen. Er ist nicht mein nächster Verwandter, denn er ist weiter entfernt verwandt als der Alpensalamander, welcher ein richtiger „Bergfex“ ist wie ich.

Ja, schon seit so langer Zeit lebe ich hier, der letzte Überlebende eines alten Stammes; Insekten, Würmer, Spinnen und Schnecken verspeisend. Ende September verstecke ich mich und schlafe den ganzen Winter lang bis Anfang Mai.
Nur 1x alle zwei oder drei Jahre gebären unsere Weibchen ein kleines Salamanderbaby.

In der langen Zeit seit ich hier lebe, ist in den ganzen Jahren immer alles gleich geblieben. Aber dann, ungefähr vor 2000 Jahren, sind sehr viele Menschen hier in unsere Berge gekommen, viele langobardische Kämpfer, die einen Teil unserer Wälder geschlägert haben und daraus Kahlflächen, Weiden, Grünland, Äcker gemacht und auch Straßen und Häuser gebaut haben.

Ihre Sprache nennt sich Zimbrisch („Cimbro“), die älteste und hoch-deutscheste Sprache, und sie haben sie länger als 1000 Jahre benutzt und verteidigt. Aber dann, nach dem großen und schrecklichen Krieg von 1915-1918, der fast die ganze Hochebene zerstört hat, haben sie immer weniger die Sprache benutzt. Rund um das Jahr 2000, gab es lediglich sehr wenige Personen, die diese schöne und edle Sprache sprechen konnten: der letzte Rest eines antiken Stammes – wie schade!

Aber es sind auch noch andere Sachen in dieser Zeit geschehen:
Im Jahre 1978 hat mich Herr Prof. Trevisan von der Universität Modena gemeinsam mit seiner Familie und seinen Freunden im „Vaio del Pian del Morto“ entdeckt. Er tötete 12 von unseren Freunden, und einen von uns, ein großes und dickes Männchen, haben sie in eine mit Alkohol gefüllte Flasche gesteckt. Seine in Alkohol eingelegte Leiche, haben sie in das Museum in Florenz gestellt, als „Holotyp“ mit der Nr. 13456.

Und dann hat uns Prof. Trevisan einen lateinischen Namen gegeben:
Salamandra atra aurorae.
(Zu dieser Zeit wurde der Alpensalamander bereits Salamandra atra atra und der Feuersalamander Salamandra salamandra genannt.)

Oh, meine lieben Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen, was passiert ist, als der Herr Prof. Trevisan seinen Fund veröffentlicht hat:
Von der ganzen Welt sind die Leute in die Kommune von Asiago gekommen um unsere Freunde zu holen und zu töten oder um sie in einen kleinen Behälter einzusperren, bis sie in den Häusern der Menschen starben!

Und von den Universitäten sind einige Zoologen gekommen und sie haben ein paar Zehen von den Füßen unserer Freunde abgeschnitten, um ihre Gene zu untersuchen und um zu sehen, wer unsere nächsten Verwandten sind.

Dann, am 11. Mai 2007, machte einer meiner Freunde vom Val Sparvieri einen Spaziergang über die Grenze des alten Österreich, hinten in der Hochebene von Vezzenza bis zum Val Postesina. Dort haben ihn zwei holländische Zoologen gesehen und die Neuigkeit veröffentlicht, dass wir auch außerhalb der Kommune von Asiago leben.

Und noch etwas anderes ist in dieser Zeit geschehen:
Viele Wälder, wo ich lebe, wurden abgeholzt, wodurch die Erde austrocknete. So konnten wir nicht mehr an diesen Orten leben, ein weiterer Grund warum nur mehr so wenige von uns übriggeblieben sind.

Ja, es war wahrlich eine schreckliche Welt und ich bin sehr froh, dass sie sich jetzt geändert hat:
Jetzt, im Jahre 2500, werden wir nicht mehr von den Menschen gefangen, weil sie intelligenter geworden sind und ihnen gefallen wieder die alten Buchen-, Weißtannen und Fichtenwälder mit den Aurora-Salamandern.

Und jetzt sprechen sie wieder die alte Sprache Zimbrisch, weil sie wahre und edle „Zimbren“ sind, der letzte Rest eines alten Stammes.
Und wir sind wahre und edle Aurora-Salamander, auch wir der letzte Rest eines alten Stammes 😉

Güllander Ekkelsturtzo (Salamandra atra aurorae)

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Remigius Geiser, der uns dieses Gedicht zur Verfügung gestellt hat. Er lehrt diese seltene Sprache in Salzburg. Mehr Infos über Remigius Geiser findet ihr unter:

www.remigius.org
www.youtube.com/user/RemigiusGeiser

Vielen Dank an den Fotografen Gianbattista Rigoni “Tita” Stern für diese wunderschönen Fotos des Aurora-Salamanders!

Beukema, W., Brakels, P. (2008), Acta Herpetologica n.3(1): pp. 77-81

Bonato, L. and Fracasso, G. (1998), Bollettino del Museo Civico di Storia Naturale di Venezia pp. 31-35

Bonato, L. and Grossenbacher, K. (2000), Herpetozoa pp. 171-180

Bonato, L., Fracasso, G. (2003), Movements, distribution pattern and density in a population of (Caudata: Salamandridae). Amphibia-Reptilia, 24 (3): 251-264

Bonato, L., Steinfartz, S. (2005), Italian Journal of Zoology n.72 pp. 253-260

Grossenbacher, K. (1994), Zur Systematik und Verbreitung der Alpensalamander (). Abb. Ber. Naturk., 17: 75-81

Grossenbacher, K. (1995), Was ist mit los? Elaphe (N.F.), 3: 6-8

Sindaco, R., Doria, G., Razzetti, E., Bernini, F. (2006), Societas Herpetologica Italica, Edizioni Polistampa, Firenze

Temple, H.J., Cox, N.A (2009), Office for Official Publications of the European Communities, Luxembourg

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